Tindari (Sizilien) ist ein reizvoller, zweieinhalb Jahrtausende alter Ort mit Resten einer griechisch-römischen Stadt an der Nordküste der Insel, 80km westlich von Messina und 8 km von Patti entfernt. Hier wird die 396 v.Chr. von Syrakus aus gegrünete und von Arabern zerstörte antike Stadt Tyndaris ausgegraben. Zu sehen sind bereits das Griechische Theater, die sog. Basilika, die tatsächlich das riesige Propyläum der Agora war, gut erhaltene Stadtmauern und einige Häuser an der antiken Hauptstasse. An der Stelle der einstigen Akropolis steht heute eine riesige, vielbesuchte Wallfahrtskirche mit einer byzantinischen "schwarzen Madonna". Dunkel und ernst ist das Gesicht der Muttergottesfigur, die in Tindari seit dem 8. Oder 9. Jahrhundert das Zentrum eines Heiligtums bildet. Am 8. September ist hier die Hölle los, ganz Sizilien scheint seine Probleme von der Madonna Nera lösen lassen zu wollen. Die Madonnenverehrung in Tindari ist für Sizilien typisch, denn das religiöse Leben der Insel wird vom Marienkult beherrscht. Die Mehrzahl der Kirchen ist der Muttergottes geweiht, sie steht im Mittelpunkt der Volksfrömmigkeit. In ihr scheinen die Götter der Antike weiterzuleben, die griechischen Demeter und die römischen Ceres.

Der Ort liegt auf dem Capo Tindari, einem Felsvorsprung in 250 m Höhe. Von hier hat man einen einmaligen Blick über das Meer und die Bucht, die sich unterhalb bis Oliveri ausbreitet. Sie gilt als der schönste Strand, den Sizilien aufzuweisen hat. Der feine, weiße Sand und das türkis schimmernde Wasser unter blauem Himmel wecken Assoziationen an die Südsee. Das flache Meer bildet kleine Lagunen in denen sich die Sonne fängt.